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Was lange währt...

Kaum ein Thema scheint zur Zeit besser geeignet, unter deutschen Studierenden die hitzigsten Diskussionen zu entfachen, als die leidige Diskussion über „Studiengebühren“. Und kaum ein Thema scheint so kontrovers das bundesdeutsche Bildungsdilemma widerzuspiegeln wie die Debatte um die Kosten und den „Nutzen“ eines Hochschulstudiums.
Nicht erst die bundesweiten Aktionen der Studenten gegen die Sparpolitik der einzelnen Landesregierungen brachte erneut die Kritiker und Befürworter eines neuen Finanzierungsmodells auf den Plan. Sondern bereits im Mai 2003 war ein entscheidender Schritt in Richtung Klärung der Angelegenheit getan worden.

Rückblick: die Bundesrepublik Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen Studiengebühren (für ein Erststudium) nicht erhoben werden. Dies regelt ganz explizit die sechste Novelle des Hochschulrahmengesetzes, die das Bundeskabinett in Berlin am 20. Februar 2003 beschlossen hat. Gegen diese Novellierung haben im Mai des letzten Jahres fünf Unions-geführte Länder (Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und das Saarland) Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht: der Gesetzestext verstoße gegen die Kulturhoheit der Länder. Falls dem Einspruch, wie zu Erwarten, statt gegeben wird, stünde der Erhebung von Studiengebühren nicht mehr viel im Wege.

Bislang gibt es in der BRD nur vereinzelt Länder, die Gebühren für ein Langzeit- oder Zweitstudium erheben. (z.B. Baden-Württemberg 511 Euro pro Semester für Langzeitstudierende - Regelstudienzeit plus 4 Semester überschritten). Doch der politische Widerstand bröckelt: die CDU/CSU Bundestagsfraktion hat sich bereits einheitlich für eine Erhebung von Studiengebühren ausgesprochen, FDP-Chef Westerwelle forderte ebenso eine Einführung von Gebühren wie eine Gruppe innerhalb der SPD, die ein System “nachgelagerter Studiengebühren” favorisiert. Obschon Bildungsministerin Bulmahn diesen Begehren weiterhin ablehnend gegenübersteht, scheint sich eine parteiübergreifende langsam zu bilden.
Über das Problem herrscht allerdings Klarheit: die deutschen Hochschulen sind finanziell und personell überlastet, die Ansprüche an die Forschung und an die Ausbildung des akademischen Nachwuchses in einem globalisierenden Zeitalter verändern sich: eine Ausbildung, die den neuen Aufgaben gerecht werden will, muss flexibler und moderner werden. Deutsche Forscher wandern ins Ausland ab, wo Ihnen vergleichsweise idyllische Verhältnisse das Forschen erleichtern, wenig bürokratische Hürden zudem ein zügiges “Durchkommen” garantieren.

Doch lassen sich Studiengebühren tatsächlich als ein Allheilmittel im Bemühen um den Forschungsstandort Deutschland verkaufen? Bevor diese Aspekte noch ins Blickfeld rücken, stellt sich die Gretchenfrage: wie ist die Sozialverträglichkeit gesichert?
Den Zugang von Kindern aus sozial und finanziell schwächer gestellten Familien an die Hochschulen zu sichern sei oberstes Gebot. Eine Verteuerung des Studiums würde diesen Zugang verbauen, mahnen Kritiker. Doch ein Blick über den Tellerrand zeigt: Länder wie Großbritannien, Australien und die USA, die alle Studiengebühren erheben, haben eine höhere Zugangsrate von Kindern aus ärmeren Familien, als Länder wie Deutschland, Frankreich, Schweiz, in denen die Hochschulen fast komplett aus öffentlicher Hand finanziert werden. Auch in der Bundesrepublik hat sich nach 1970 (dem Jahr, in dem die Studiengebühren abgeschafft worden) keine Veränderung im Zugang gezeigt.
Ein weiteres Argument: Deutschland habe im internationalen Vergleich zuwenig Studierende und somit sei eine Barriere wie die Einführung von Studiengebühren kontraproduktiv, lässt sich nicht bestätigen. Zwar zeigt eine OECD-Studie eine im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien geringere Studierendenzahl, doch verbieten die Spezifika der jeweiligen Hochschulsysteme einen solchen Vergleich. In GB beispielsweise, werden Schüler an Berufsakademien und fachhochschulähnlichen Institutionen auch offiziell als Studenten geführt. Zudem ist der Bachelor-Abschluss, der der erste Hochschulabschluss in England und den USA ist, für einen Großteil der Studenten (ca.80%) bereits das Ende ihrer akademischen Laufbahn. In Deutschland hingegen dauert die akademische Ausbildung um einiges länger, sind die Studien in der Regel intensiver und anspruchsvoller.

Was wir brauchen, sind nicht mehr Studenten, sondern bessere. Bessere Studienbedingungen: mehr Professoren, bessere Ausstattung, kleinere Arbeitsgruppen, bessere Bibliotheken mit längeren Öffnungszeiten, weniger bürokratische Hürden….die Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen. An diesem Punkt zeigt sich auch das eigentliche Problem im Zusammenhang mit der Gebührendiskussion: immer weniger Studenten sind kategorisch gegen finanzielle Beiträge, doch die wenigsten sind bereit für das was Ihnen zumeist in diesem Land geboten wird: überfüllte Veranstaltungen, schlechte Betreuung und mangelhafte Ausstattung, etwas zu bezahlen.
Kritiker führen oft ins Feld, Studenten würden durch Gebühren zu “Kunden” degradiert, Bildung als Ware betrachtet und so die Unabhängigkeit und Freiheit von Forschung und Lehre aufs Spiel gesetzt. Doch stellt sich die Frage, ob finanzielle Beiträge nicht zu positiven Entwicklungen in Bezug auf das Angebotsverhalten der Universitäten und Dozenten führen könnten? In Ländern mit Studiengebühren, wählen Studenten ganz gezielt ihre Hochschule aus: wie groß sind die Seminargruppen? Wie oft treffe ich meinen akademischen Supervisor? Bestand der Bibliothek? Öffnungszeiten? Wer einmal erlebt hat, mit 10 Leuten in einem Seminar zu sitzen, sonntags bis abends in der Bibliothek arbeiten zu können, den Supervisor dreimal die Woche unangemeldet aufsuchen zu können, der kann sich den Argumenten der Befürworter von Gebühren nur schwer entziehen.

Sicherlich sollte die Sozialverträglichkeit von Studiengebühren das entscheidende Kriterium in der Ausarbeitung eines solchen Konzeptes sein: jeder sollte aufgrund seiner Leistungen und intellektuellen Fähigkeiten die Chance haben zu studieren. Aber ein Studium ist kein bloßer “Rechtsanspruch”, sondern ein Privileg aufgrund von Leistung.

Drohende Studiengebühren sind das geringste Problem unseres Systems: wir brauchen effizientere Hochschulen, besser ausgebildete Abiturienten, ein leistungsfreundlicheres System. Dafür würde es sich lohnen, Geld auszugeben. Auch für Studenten. Entscheidend ist, dass Studiengebühren nicht zur Stopfung von Lücken in diversen Länderhaushalten missbraucht werden, sondern ganz gezielt für die Qualitätssicherung von Lehre und Forschung an den Universitäten eingesetzt werden.

Weiterführende Informationen gibt's unter anderem bei der

Hochschulrektorenkonferenz
oder bei der

Kampagne "Gute Bildung braucht Zeit!"
des "Aktionsbündnis gegen Studiengebühren" (ABS)


von Gunda Windmüller


nepu schreibt zum Thema keine Studiengebühren in F un Ch :

besser recherchieren! in Frankreich und in der Schweiz zahlen Studenten Studiengebhren (ber 1000 Euro p.a.)


Gunda schreibt zum Thema re:nepu :

Lieb/r Nepu! Ich behaupte gar nicht, dass in Frankreich und in der Schweiz keine Studiengebhren erhoben werden! Sondern lediglich, dass dort die Hochschulen zum grten Teil aus ffentlicher Hand finanziert werden (mehr als In GB und USA)!!! liebe Gre, G


Filippo Nereo schreibt zum Thema Studiengebühren :

Liebe(r) Nepu! besser lesen! Die Autorin schreibt: "...Lnder wie Deutschland, Frankreich, Schweiz, in denen die Hochschulen FAST komplett aus ffentlicher Hand finanziert werden." ; also im Gegensatz zu z.B. Harvard $26,066/20,700 !!


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