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Zukunftsweisend, innovativ, serviceorientiert, forschungsfreundlich oder auch effizient - keine Wörter aus der dreiundsechzigsten Regierungserklärung des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, sondern Umschreibungen für die Universität Wien. Zumindest will sie dort hin, die Universität, oder doch eher nur Rektor Georg Winckler?
Ein Schauspiel der besonderen Art spielt sich dieser Tage in der österreichischen Bundeshauptstadt ab. Dabei zählt der Ort gar nicht zu den üblichen Verdächtigen wenn es um Drama, Komik, Tragödie oder Lustspiel geht. Nicht das Volks-, Akademie-, oder gar Burgtheater ist gemeint, sondern der Ort von Bildung und Forschung, die größte Hochschule des Landes. Nichts desto trotz könnte ein Claus Peymann oder auch ein Christoph Schlingensief hier seine Finger im Spiel haben.
Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Eifersüchteleien, Lug und Betrug sind die Zutaten aus denen die als Provinzposse anmutende Krise der Universität Wien besteht.
Die Hauptakteure? Auf der einen Seite ein Rektor und VWL-Professor, Georg Winckler, der die Studenten nicht als Teil der Universität sieht, sondern sich einen Plan auf den eigenen Leib, respektive den der Universität schneidert: Dem Rektorat werden dabei Entscheidungskompetenzen in kaum zu erahnendem Ausmaß beschert – ein Schelm wer böses dabei denkt.
Ihm gegenüber das Team der ÖH, kampferprobt und bis ins Mark oppositionell. Natürlich ist so ein Amt kein Schaulaufen für eine spätere Karriere als Politiker, und es geht den studentischen Vertretern natürlich nur um die Sache – ein Dummkopf wer anderes glaubt.
Die Sache? Eigentlich nebensächlich, geht es dabei doch nur um so profane Dinge wie die Zukunft der studentischen Mitbestimmung, Forschung und Lehre und zuletzt der Universität. Damit wird sich dann aber auch nicht länger aufgehalten.
Viel spannender sind da schon andere Geschichten: Die Besetzung eines Senatssaals zum Beispiel. Man könnte das als Kindergartenspiel aburteilen und in der Sache weiterkommen, viel lustiger ist es aber, einen Schal – nur zur Erinnerung, es ist Winter – als Vermummung und einen Collegeblock als Schlagstock zu enttarnen. Mindestens genauso viel Spaß macht es, einfach mal ganz witzige Forderungen zu stellen, nur mal so: Da wären der Stopp des Bologna-Prozesses zu nennen, oder auch die Einführung eines Studentengehalts.
Es drängt sich bei diesem Trauerspiel die Einsicht auf, dass es wohl nur um die Stillung egozentrischer Bedürfnisse geht. Denn eines haben beide Seiten gemein: Eine in dieser Form vorher wohl nicht gekannte mediale Aufmerksamkeit. Wie oft kommt es vor, dass man das bestimmende Thema in den landesweiten Gazetten ist? Dies auszukosten und sich somit seine „15 Minuten Berühmtheit“ (Andy Warhol) abzuholen ist nicht nur egozentrisch sondern, solange dies alles auf dem Rücken der Universität ausgetragen wird, moralisch verwerflich.
Die Zukunft? Alles andere als rosig.
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von Alexander Kamphorst
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