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Was bedeutet die Jugendzukunftskonferenz für den einzelnen Schüler, aber auch für die Jacob-Grimm-Schule und das Schulsystem insgesamt? Das reflektierte streitbar mit Carsten Schwoon und Dieter Schäckel.
streitbar: Herr Schwoon, Herr Schäckel, Sie haben die Entstehung der Jugendzukunfts-konferenz in diesem Jahr begleitet. Was hat die Konferenz den beteiligten Schülern gebracht?
Carsten Schwoon: Die beteiligten Schüler arbeiteten inhaltlich, methodisch und organisatorisch. Das war mehr, als das traditionelle Lernen im Dreiviertelstundentakt. Die Schüler haben den Ernstfall gelernt. Bei der Organisation der Zukunftskonferenz konnte nichts simuliert werden. Von den Referenten, über die Teilnehmer bis hin zum Essen - alles musste am Ende stehen !
Dieter Schäckel: Die Schüler wurden auch mit ganz anderen Problemen konfrontiert als im Unterricht. Bei der Zukunftskonferenz ging es darum, nicht nur Fähigkeiten zu erlangen, sondern auch Fertigkeiten - etwa etwas zu organisieren, teamfähig zu sein, Diskussionen zu strukturieren, miteinander Konflikte zu lösen. Schule bleibt viel zu oft bei den rein kognitiven Fähigkeiten stehen.
neo: Ein Plädoyer für das, was man gemeinhin unter "ganzheitlichem Lernen" versteht?
Schäckel: Ja. Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das ganzheitliche Lernen nicht in allen Bereichen durchsetzen darf. Auch der rein kognitive Anteil hat seine Berechtigung. Es ist eine Verkürzung von Bildungsbegriffen, dass Lernen für den einen Faust bedeutet und für den anderen Zukunftskonferenz. Für mich ist ganzheitliches Lernen zwar die präferierte Methode, ich setze sie aber nicht absolut.
neo: Sie loben Team-, Diskussions- und Konfliktfähigkeit. Sie liegen damit doch völlig konform mit der deutschen Wirtschaft. Auch die fordert immer wieder ein, in den Schulen mehr Soft Skills zu vermitteln.
Schäckel: Das hat damit nichts zu tun. Schule sollte sich den Erfordernissen der Wirtschaft nicht beugen, sondern ihre Ziele unabhängig formulieren. Schule ist kein Erfüllungsraum der Wirtschaft! Jeder Nutzen, der sich für die Wirtschaft zusätzlich ergibt, ist nur ein Nebenprodukt. Hinzu kommt, dass Schule und Wirtschaft etwa den Begriff der Teamfähigkeit ganz unterschiedlich füllen.
neo: Wie haben Ihre Lehrerkollegen aufgenommen, dass Sie die Jugendzukunftskonferenz mitorganisiert haben?
Schwoon: Sehr gut. Das, was wir unter den etwas diffusen Begriff der Schulatmosphäre oder des Schulklimas fassen, lebt ja von solchen Projekten - ob sie nun Schulchor, Theater oder Zukunftskonferenz heißen. Außerdem hat eine solche Veranstaltung nicht nur eine Außenwirkung, sondern auch eine Innenwirkung: Kollegen arbeiten zusammen, die sonst zwangsläufig Einzelkämpfer sind, die die Tür des Klassenraumes zumachen und sich nur in der Großen Pause im Lehrerzimmer mal sehen.
Schäckel: Ich würde eher sagen, dass wir Einzelunternehmer sind, nicht Einzelkämpfer. Eines muss aber zudem klar sein: Die Initiative zur Jugendzukunftskonferenz kam von Schülern, ihr Ursprung war eher zufällig. Dann wurde sie von uns Lehrern sehr dankbar aufgenommen. Nun diskutieren wir über einen institutionellen Rahmen, etwa eine Politik-AG.
neo: Die Sorge steht im Raum, dass die Konferenz ihren Charakter verliert, wenn sie institutionalisiert wird.
Schwoon: Natürlich gibt es die Gefahr, dass man Projekte funktionalisiert. Nur macht ein solcher Rahmen auch deutlich, wie wichtig die Konferenz ist. Manche Kollegen beharren darauf, dass ihre Schüler wirklich jede einzelne Schulstunde besuchen müssen, auch wenn es 3000 mal um diesen einen wichtigen Termin geht. Da könnte ein solcher Rahmen helfen.
neo: Die Würdigung der Konferenz hat auch das Schulamt mitverursacht.
Schäckel: Das ist richtig. Bei der Diskussion um unser Schulprogramm hat das Schulamt angeregt, die Jugendzukunftskonferenz als einen zentralen Punkt in unser Schulprogramm aufzunehmen. Das ist geschehen.
Schwoon: Das deutlich zu machen, ist wichtig. Die schulpolitische Entwicklung geht derzeit dahin, dass formale Vorgaben gestärkt werden.
Ironischerweise gibt es nun in der Abiturprüfung einen fünften Bestandteil, etwa eine Präsentation, der eher reformpädagogisch angehaucht ist. Dadurch wird die Initiative von unten geschwächt. Das halte ich für fatal. Da wäre noch der Beweis zu erbringen, dass Schüler dadurch mehr lernen als durch die Organisation etwa einer Zukunfts-konferenz.
Schäckel: Dann müssten wir uns aber zunächst über den Begriff des Lernens verständigen...
neo: Das können wir in diesem Gespräch nicht schaffen. Herr Schwoon, Herr Schäckel, wir bedanken uns.
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Interview zur Jugendzukunftkskonferenz
von von Manuel Hartung und Daniel Opper
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