Meine liebe Christina,
Da kommst Du zu dem Schluss: "Studenten, wehrt euch. Wenn schon Studiengebühren, dann Gebühren, die direkt den Universitäten zu Gute kommen."
Jetzt hat sie die Protestbewegung endgültig verraten, dabei geht die Rechnung nicht einmal auf.
500 Euro Studiengebühren, und das ist dann doch der springende Punkt, würden die Situation an den deutschen Hochschulen eben nicht verbessern - der einzige Grund, mit dem man Studiengebühren rechtfertigen könnte. Was bekäme man für 500 Euro? Zwei Stunden längere Bibliotheksöffnungszeiten? Im Monat, in der Woche, am Tag? Und: Wurden die nicht gerade erst gekürzt vergangenes Jahr? Vielleicht könnte das mal jemand ausrechnen! Die Sache ist doch die, dass 500 Euro nicht einmal die Millionen ausgleichen können, die zum Beispiel den niedersächsichen Hochschulen letztes Jahr erst weggenommen wurden. Also: Selbst wenn die 500 Euro den Hochschulen voll und ganz zu Gute kommen, wird damit eben nichts spürbar besser für die Studenten. Viele Auswirkungen der vorangegangen Kürzungen greifen erst jetzt, werden erst jetzt spürbar.
Was also schlussfolgern? Logisch kann man daraus nur eines folgern: Wenn Studiengebühren, dann richtig! 3000 Euro im Semester, wie in Grossbritannien, das spürt man in der Qualität der Lehre. So lautet doch die eigentliche Frage: Wollen wir das, 3000 Euro? Unsere Politiker weichen der Frage (noch) aus und die Studenten weichen das Thema auf, indem sie die Erhöhungen schrittweise abnicken werden, jaja, alles wird eben teurer, da kann man nichts machen ...
Und sie haben irgendwie recht: So lange auf dieser Ebene diskutiert wird, kann man nichts machen. Denn dem eigentlichen Problem gehen alle aus dem Weg. Unser Hochschulsytem in Deutschland ist - zumindest in der Lehre - strukturell so verrottet (und das Wort trifft´s), dass wir vor einer kompletten Hochschulreform stehen, die sich keiner traut, umfassend anzugehen. Mit 500 Euro lässt sich in diesem Prozess aber überhaupt nichts verändern, daher allein, abgesehen von jeder ideologischen Frage, ist diese Studiengebühr nicht rechtfertigbar, solange das Gesamtkonzept fehlt.
Kein Geschäft, Restaurant, Café, würde Erfolg haben, wenn es die Preise vor der Renovierung hebt; die Kunden würden fliehen (in Sachen Uni: die deutschen Studenten, die es sich leisten können, tun es bereits). Es ist also vollkommen widersinnig, eine nicht vorhandene Studienreform von den Studenten bezahlen zu lassen. Jeder weiß, dass Bildung künftig unser wertvollstes Gut sein wird - welch eine Plattitüde -, daher die Aufforderung: Staat und Länder, steckt Millionen und abermals Millionen mehr in unsere Schulen und Universitäten, und dann, in zehn Jahen vielleicht, wenn die Lehre und der Service den Studierenden ein hervorragendes Umfeld bietet (oder sagen wir mal: eines, wie es sein sollte), dann können wir den Dialog beginnen, was Studierende dafür zurück geben sollten. Vorher nicht, denn, wieder frei von jeder ideologischen Frage, vorher nutzt es niemanden und schadet allen. Jeder Ökonom würde das sofort unterschreiben - wenn er nicht für die Landesregierungen arbeitet.
|