2008-05-06

Jenseits von Text und Bild
von Daniel Opper

Bewerber bei journalistischen Onlinewettbewerben müssen heute mehr bieten können, als Texte und Bilder. Was, das zeigen die Preisträger des diesjähringen Axel-Springer Wettbewerbs für junge Journalisten. Über die Trends im Onlinejournalismus sprach streitBar mit unserem Jury-Mitglied Christina Stefanescu.


Q: Kann man in einer Online-Kategorie überhaupt noch mit einem einzelnen Text gewinnen?

A: Prinzipiell ja, aber es ist schwer. Bei einem Online-Wettbewerb geht es darum, die Grenzen des neuen Mediums sowohl inhaltlich, qualitativ wie auch technisch auszureizen.

Q: Was macht also einen guten Online-Beitrag aus?

A: Er muss die statische Dimension hinter sich lassen. Texte und Bilder sind die Grundlage. Dazu kommen Bewegung, Töne und vor allem interaktive Elemente.

Q: Hauptsache es blinkt und quäkt?

A: Eben nicht. Es geht darum, die neuen Möglichkeiten journalistisch sinnvoll einzusetzen, um etwa einen komplexen Sachverhalt für ein großes Publikum anschaulich aufzubereiten. Der diesjährige Siegerbeitrag hat das vorbildlich zum Thema Doping veranschaulicht. „Achtung, positiv!" Das Doping-Webmagazin bei sport.ARD.de erklärt nicht nur was Doping ist - in Bild, Ton und Text, es schlüsselt auch auf, wer am Dopingskandal des vergangenen Jahres beteiligt ist, Radfahrer, Funktionäre, Ärzte und auch Journalisten. Doch der Leser wird nicht auf einer Website voller Links und bewegter Bilder alleine gelassen - Moderator Claus Lufen führt durch die Fülle von Informationen - und das ist etwas, was wir im vergangenen Jahr nicht zu beurteilen hatten.

Q: Alle Gewinner kommen von öffentlich-rechtlichen Medien. Wieso haben die klassischen Zeitungen nicht die Nase vorn im Internet?

A: Das ist eine gute Frage - schließlich ist der Kern der Sache, der Text, doch eigentlich ihre Stärke. Doch offenbar verstehen es die audio-visuell geprägten Kollegen besser, anschaulich über die reine Text-Dimension hinaus zu gehen. Zudem wurden dieses Jahr hauptsächlich "Specials" ausgezeichnet, die langfristiger produziert werden konnten. Wobei die Gewinner des 2. Preises, Julia Kiehne und Kathrin Klöpfer beweisen, dass auch tagesaktuelle Berichterstattung zu einem Großevent wie dem G8-Gipfel in Heiligendamm zum textlich wie audio-visuell hervorragenden Paket geschnürt werden kann.

Q: Sind diese exzessiven Onlinespeziale ein neues Fass ohne Boden für unsere GEZ-Gebühren?

A: Nein. Es entscheidet vor allem die Kreativität und die Begeisterung für die Qualität dieser Umsetzung. Da wurden etliche unbezahlte Freizeitstunden investiert!


Die diesjährigen Gewinner des Axel-Springer-Preises sind:


Internet

1. Sebastian Göllner - „Achtung, positiv!“ Das Doping-Webmagazin bei sport.ARD.de

2. Kathrin Klöpfer und Julia Kiehne - „G8-Gipfel in Heiligendamm“

3. Stephanie Lachnit - „Stadt statt Land: Wo lebt es sich besser?“


Print

1. Axel Lier - „Feuer in der Ufnaustraße: Die Nacht, in der zwei Jungen kokeln und neun Berliner sterben“

2. Julian Reichelt - „Sie können uns töten, aber niemals besiegen“

3. Barbara Hardinghaus - „Der Fremde“


TV

1. Chiara Sambuchi - „Meine Welt hat tausend Rätsel“ (ZDF – 37 Grad)

2. Katharina Wolff - „Im Namen des Kindes – Letzte Hoffnung im Scheidungskrieg“ (ARD)

3. Benjamin Cantu - „Fremde Kinder: Die Welt gehört Chaim“ (3sat)


Hörfunk

1. Julia Friese - „Tagebuch einer Untreuen“ (rbb, Radio Fritz)

2. Marlis Schaum - „Die Flaschensammler“ (WDR 5)

3. Meral Al-Mer - „Ich bin ein Berliner“ (Radio Fritz)




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