Seit Montag also streiken wir hier in Göttingen, habe ich jedenfalls so in Erinnerung. Diese Vollversammlung war ja durchaus beeindruckend. Ich würde mal schätzen, dass sich 2500 bis 3000 Leute im Foyer des ZHG eingefunden hatten. Und eben diese haben mit absoluter Mehrheit den Aktionsstreik beschlossen.
Aber was ist eigentlich in den letzten vier Tagen passiert:
Das Bündnis gegen Bildungsklau campt auf dem Platz der Göttinger Sieben gegen die Studiengebühren ab dem ersten Semester, jeder Psychologie-Student schreibt am Tag eine E-Mail an den Herrn Wissenschaftsminister Stratmann (jedenfalls verkündet das ein Plakat an der ehemaligen Augenklinik in der Goßlerstraße), am Mittwoch gab's eine Mini-Demo mit 30 Teilnehmern und die Theologie wird ebenfalls seit Mittwoch bestreikt. Am Donnerstag habe ich auf meinem Weg zum Bahnhof ein paar versprengte Mediziner gesehen, die ihr Finanzierungskonzept fürs Studium vorgestellt haben: in OP-Kleidung oder wahlweise in Visitekittel haben sie am Weender Tor Scheiben gewischt.
Bisher jedoch ist der Protest der Göttinger Studierenden noch sehr leise. Ja gut, am Dienstag war noch eine etwas größere Demo, aber sonst?
Wirklich spektakulär ist hingegen das Polizeiaufgebot: Seit Montag steht jeden Nachmittag ab 13 Uhr die grüne Minna an der Bushaltestelle Audimax (von den Laufbändern der Fitness Company nur durch eine getönte Glasscheibe getrennt). Den Höhepunkt erreichte dieser Aufmarsch der Staatsmacht am Mittwoch. Um 14 Uhr standen fünf vollbesetzte VW-Busse der Niedersächsischen Polizei auf dem Busstreifen. Zwanzig Minuten später waren es gar sieben. "Riesen Demo" würde man jetzt pauschal sagen - und tatsächlich, die Demonstranten überquerten ein paar Minuten später die Straße. Aber es waren keine 500 oder 1000 Leute. Es waren maximal 30 Studenten und Schüler mit genau einem Transparent. Könnte man die Kosten für einen derartigen Einsatz nicht in die Bildung investieren?
Der Protest in Göttingen geht nächste Woche in die zweite Runde. Gleich zwei Trauermärsche für die Bildung werden durch die Innenstadt prozessieren: der erste am Montag, da ist übrigens auch Welt-Aids-Tag, mit anschließender 24-stündiger Mahnwache, der zweite am Mittwoch. Am 1. Dezember wollen die Mediziner die SUB für 24 Stunden besetzen, am Tag vor Nikolaus geht die Bildung baden - im Baggersee. Ob die Polizei dann mit Wasserwerfern und Tränengas anrückt?