STREITBAR

Ausgelacht!

von Raphael Geiger

Kein Zweifel, Bush war ein mieser Präsident, Obama macht seinen Job gut. Doch etwas fehlt: Die Komik! Findet zumindest streitbar-Autor Raphael Geiger, der das Lachen nicht verlernt hat.

Man kann sich bessere Zeiten vorstellen für Kritik an einem US-Präsidenten. Obama regiert mit sicherer Hand, er ist aufrichtig, ehrlich, fleißig, der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Welt könnte sich keinen Besseren im Weißen Haus wünschen. Jede Woche stellt er eine „Weekly Address“ auf seine Facebook-Page, einen Augenblick später haben sich tausend Jubler mit Kommentaren verewigt, noch zehn Mal so viele haben auf „like“ geklickt, um zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Obamas Rede mochten.

Obama ist zwei Monate im Amt, zwei gute Monate in schlechten Zeiten für die USA. Was gibt es zu mäkeln?

Kurz und knapp: Es fehlt der Witz. Dieser Präsident macht seinen Job gut, er macht ihn aber inzwischen auch auf eine unerträglich ernste Weise. Jemand muss ihm sein Lächeln geklaut haben. Dieses Obama-Grinsen, es ist weg. Futsch. Gegenüber diesem Obama war sein Vorgänger Bush ein echter Humorist. Egal, ob freiwillig oder nicht: Legendär, Bushs Reden auf den Washingtoner Pressebällen. Immer für einen Witz gut, dieser Mann. Ein tatsächlich komischer Kerl. Und natürlich eine Steilvorlage für alle Satiriker.

Obama ist Autor mehrerer politischer Bücher, die es auf Platz Eins der Bestsellerliste der „New York Times“ geschafft haben. Alles sehr gut geschriebene, anspruchsvolle Werke.

Bush hatte zu Büchern eine eindeutige Meinung: „Das Schöne an ihnen ist: Manchmal sind da ganz tolle Bilder drin.“ Er hat auch bis heute kein Buch geschrieben, oder? Halt! Zwar hat er selbst kein „Werk“ abgeliefert (sieht man vom Ghostwriter-erstellten, obligatorischen Wahlkampftitel „A charge to keep“ ab). Dennoch hat er dem Buchhandel eine Reihe von Erfolgen beschert: „Voll daneben, Mr. President“ zum Beispiel, ein Buch mit Zitaten von „Dubya“, natürlich voll mit sprachlichen Patzern („Da habe ich mich verunterschätzt“), aber auch Geständnissen wie diesem: „Zugegeben, ich bin kein großer Linguist.“ Ist er wirklich nicht. Aber: immer lustig. Immer mit Humor. Immer mit einem Grinsen im Gesicht. Die Europäer gewöhnten sich im Laufe seiner Amtszeit an, ihn als Clown zu sehen – zu Recht, er ist einer. Aber ein guter.

Klar, Sie sagen jetzt: Hat der Autor dieser Zeilen keine anderen Probleme? Da besetzt acht lange Jahre der personifizierte Betriebsunfall das mächtigste Amt der Welt. Ruiniert global den Ruf der USA. Hinterlässt ein wirtschaftliches Desaster und die Gewissheit, einer der miesesten Präsidenten in der Geschichte Amerikas gewesen zu sein. Und dann kommt Obama, dieser Mensch, auf dem die Hoffnungen der Welt ruhen. Ein zweiter Kennedy vielleicht, jemand, der womöglich in der Lage sein wird, die Welt zu verändern!

Sie haben ja Recht. Es ist abstrus, in Obama-Zeiten Bush zu loben. Der Unterschied zwischen den beiden ist zu groß. Amerikanisch ausgedrückt, ungefähr so groß wie der zwischen gut und böse.

Aber was bitte ist Politik ohne Witz? Wie sind denn die Prozedere, die im Washington Obamas genauso langwierig und langweilig sind wie im Berlin Merkels, auszuhalten, wenn nicht mit einer Portion Ungezwungenheit und Selbstironie? Obama aber ist nach zwei Monaten schon staatstragender als Reagan nach acht Jahren.

Wir wissen: Es sind schwierige Zeiten, die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929, eine prekäre Lage in Afghanistan. Obama hat die Tage nicht eben viel zu lachen.

Hatte Bush aber auch selten. Humor ist also doch, wenn man trotzdem lacht. Jawohl, auch in diesen Zeiten. Jetzt erst recht. Wer sagt denn, dass auch ein guter Präsident nicht mal einen Witz zum Besten geben darf?

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Foto: Agência Brasil / Wikipedia