Die USA retten sich, indem sie sich in sich selbst verlieben. Paradox? Gesetzt den Fall, es funktioniert, ist es ein Fall des Pygmalion-Effekts, nachdem sich die Leistung einer Person den Erwartungen nach entwickelt, die an sie gerichtet werden. In diesem Fall sind die Erwartungen gigantisch und die Person 350 Millionen. Doch genau darauf setzt Obama, wenn er den alten Leitsatz „one out of many" wieder belebt: „out of many, we are truly one."

Glauben versetzt Berge - "gemeinsam können wir in Amerika alles schaffen!". Mich erinnert Obama an eben diesen Pygmalion, der sich wie in Ovids Metamorphosen eine Statue schafft, die schließlich zum Leben erwacht und in der sich seine Liebe erfüllt. Richard Hofstadter sagte: „Is has been our fate as a nation not to have an ideology, but to be one." Guantánamo und Abu Ghraib haben diesen Satz erschüttern lassen. Und doch steht sie noch, vor allem weil die Neuen Wilden auf der Weltkarte kein Gegenangebot bieten können, das nicht nach Schwarzpulver riecht.


Die Statue of Liberty ist Amerikas Galatea. Nie wurde dies so deutlich wie nun, in den Tagen, in denen ein Schwarzer Präsident wird, während das Land vor dem Bankrott steht. Die Schlüsselindustrien verrosten, der Konsum brach 2008 um 50% (!) ein und das Land lebt vom Kredit der Welt. Moralisch hat Bush die Vorbildnation zerstört. Doch gerade jetzt am Tiefpunkt sind die Amerikaner plötzlich so stolz wie nie zuvor auf sich und ihre „auserwählte" Nation. Wer die Situation, in der sich die USA 2009 befinden, nüchtern betrachtet, muss sich unweigerlich an Graf Münchhausen erinnern, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben will. Die nächsten vier Jahre werden zeigen, ob Barack Obama dieses Kunststück in Wirklichkeit gelingen wird. Amerika glaubt daran. Und darum allein geht es beim Pygmalion-Effekt.